WasistdieF.M.Alexander-Technik_img1.gif 3.1 Was ist die F.M. Alexander-Technik
3.1.1 Gelassen ans Ziel?
Bewundern Sie auch manchmal Menschen, die schier unerschöpfliche Energie haben, geschickt und scheinbar mühelos ihren Alltag bewältigen, den ganzen Tag munter sind und dann nachts auch noch gut schlafen können? Aber...
  • Sie sitzen am Computer und merken irgendwann, wie der ganze Schultergürtel verspannt ist und schmerzt und Sie Ihre Aufmerksamkeit immer schlechter der eigentlichen Arbeit zuwenden können;
  • Sie besuchen die Ausstellung im Kunstmuseum und schon nach einer halben Stunde wissen Sie nicht mehr, wie Sie stehen sollen ob aller Müdigkeit und Verspannung in Beinen und Rücken;
  • Sie halten ein Referat, haben Mühe mit ihrer Stimme und sind danach völlig erledigt;
  • Sie fühlen sich oftmals verkrampft und wissen gar nicht recht warum...

Ursache für diese Tücken des Alltags ist oft die gewohnte, aber belastende Art und Weise, wie wir an die Dinge herangehen. Damit beschneiden wir unsere Lebensqualität, erzeugen Unwohlsein in uns, Müdigkeit, Verspannungen und Schmerzen. Meist unbewusst begrenzen wir so unsere geistige und physische Leistungsfähigkeit.
3.1.2 Die Veränderung beginnt im Kopf

Hier liegt der Ansatz zur Veränderung: Beim bewussten Verzicht auf Gewohnheiten, welche uns immer wieder aus dem Gleichgewicht bringen. Denn - von Natur aus sind wir fähig, gut koordiniert zu funktionieren. Die F.M. Alexander-Technik lenkt unseren Blick darauf, wie wir etwas tun, während wir es tun. Sie ist damit tragend für jede geistige und körperliche Tätigkeit.

Die F.M. Alexander-Technik
  • hilft uns, nachteilige Gewohnheitsmuster zu erkennen und zu entscheiden, ob und wie wir sie verändern wollen;
  • ermöglicht uns einen angemessenen Umgang mit Geist, Seele und Körper und hilft so unnötigen Stress zu vermeiden;
  • eröffnet einen Entwicklungsprozess, der Geist, Seele und Körper umfasst und unsere Handlungsspielräume erweitert;
  • ist ein Weg zu mehr Entscheidungsfreiheit anstelle gewohnheitsmässigen Reagierens und bringt uns mehr Ausgeglichenheit in unseren Alltag.
3.1.3 Keine Therapie, sondern Unterricht
Die F.M. Alexander-Technik ist keine eigentliche Therapiemethode, sondern eine Form von Unterricht. Das Erlernen der Technik gibt uns die Möglichkeit, die Wahrnehmung von Spannungsmustern in uns zu verbessern und dadurch ausgelöste Beschwerden zu lindern und aufzulösen.
Wir lernen
  • gewohnte, meist unbewusste Bewegungs- und Verhaltensmuster zu erkennen;
  • Gewohnheiten wegzulassen, welche die Qualität unserer natürlichen Koordination beeinträchtigen;
  • bewusst neue Bewegungs- und Verhaltensmuster zu initiieren, welche eine bessere Koordination ermöglichen...

und erzielen damit
  • mehr Leistungsfähigkeit und Harmonie;
  • weniger Stress, Verspannung und Schmerzen;
  • mehr Leichtigkeit und Anmut im Einsatz von Geist und Körper.

Die F.M. Alexander-Technik benötigt weder spezielle Räumlichkeiten noch bestimmte Kleidung. Lehrpersonen der F.M. Alexander-Technik unterrichten Einzelne oder Gruppen in ihrer eigenen Praxis, in Institutionen des Erziehungswesens, in Musik-, Schauspiel-, Tanz- und Bewegungsschulen, in Betrieben von Industrie und Dienstleistung oder in Gesundheits- und Rehabilitationszentren. Ebenso können sie Klienten und Klientinnen unmittelbar in ihrer Berufsarbeit oder in der Freizeitaktivität (z.B. Jogging, Krafttraining, Golf, Radfahren, Reiten) begleiten.
3.1.4 Primäre Steuerung als ausbalancierender Akt
 
 
 
 
 
 
 
 
Die F.M. Alexander-Technik misst dem Zusammenspiel von Kopf, Hals und Rumpf eine wesentliche Bedeutung zu. Unser neuromuskuläres System ist bestimmt, mit der Schwerkraft zusammenzuarbeiten. Dabei ist der menschliche Organismus von Natur aus fähig, sich fortlaufend zu koordinieren und mit minimalem Energieaufwand zu funktionieren. Die Qualität dieser natürlichen Koordination ist unmittelbar von der Verbindung zwischen Kopf und Wirbelsäule abhängig. Wenn wir unnötige Muskelanspannung weglassen, kann der Kopf frei auf der Wirbelsäule balancieren und die Wirbelsäule ebenso ungehindert in ihrer Länge folgen. Dadurch stellt sich das angemessene Mass an Muskelspannung für jede Aktivität automatisch im ganzen Körper ein.
3.1.5 Leicht umsetzbar
Als gesundheitsfördernde Methode steht die F.M. Alexander-Technik allen Personen ohne Alterseinschränkung offen.

Sie eignet sich insbesondere für Sie, wenn
  • Sie Verantwortung für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden übernehmen wollen;
  • Sie in Beruf und Alltag ihre geistige und physische Leistungsfähigkeit steigern und ausgeglichener werden wollen;
  • Sie unter Stress, Verspannungen, Atem- und Stimmbeschwerden oder unter Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen leiden;
  • Sie beruflich vorwiegend sitzend oder stehend tätig sind (z.B. in Banken und Versicherungen, als Tram- und BusführerInnen, Zahnärzte und Zahnärztinnen, Pflegepersonal, Coiffeure und Coiffeusen);
  • Sie Musik, Tanz, Gesang, Schauspiel oder Sport betreiben - sei es in der Ausbildung, im Beruf oder als Hobby;
  • Sie nach Krankheit oder Unfall ihre Rehabilitation unterstützen wollen, z.B. bei rheumatischen Beschwerden, Diskushernie, Schleudertrauma. Bei Erkrankungen wie Parkinson Syndrom, Multipler Sklerose kann die Krankheit nicht geheilt, jedoch das Bewegungsverhalten verbessert und Sekundärprobleme gelindert oder verhindert werden.
3.1.6 Was geschieht in einer Alexander-Lektion
In den Lektionen werden Sie durch verschiedene Situationen und Abläufe des Alltags geführt: Sitzen, stehen, gehen, tragen, sprechen, am Computer arbeiten, Referate halten, sportliche und musische Tätigkeiten, usw. Sie lernen, welche Zusammenhänge zwischen Ihren Erwartungen, Ihrem Denken, Ihren Verhaltensgewohnheiten und Ihren körperlichen Reaktionen bestehen. Durch manuelle und verbale Anleitung lernen Sie, Ihr Denken und Ihren Körper bewusst einzusetzen. Bewusst einsetzen heisst, nicht reflexartig eine verspannte Haltung einnehmen und sich so unnötig einschränken und begrenzen.
Viele Menschen beschreiben als erste Erfahrung im Unterricht eine gesteigerte Aufmerksamkeit und Wahrnehmung und angenehme Gelöstheit. Trotzdem können uns Veränderungen der eigenen Verhaltensformen zu Beginn fremd oder gar falsch vorkommen, denn unsere Sinnesinformation bewertet die alten Gewohnheiten als "richtig". Gedankliche Anweisungen, welche auf das eigene Verhalten Einfluss nehmen und im Unterricht erlernt werden, führen uns jedoch zunehmend zu einer verlässlicheren Sinneswahrnehmung.
3.1.7 Wie viele Lektionen sind nötig?
Die Alexander-Technik wird in der Regel als Einzelunterricht in Lektionen zu 30-50 Minuten vermittelt. Erfahrungsgemäss bedarf es gut dreissig Lektionen, bis ein Erfahrungswissen aufgebaut ist, das befähigt, die Prinzipien der Alexander- Technik im Alltag anzuwenden.
Für einen nachhaltigen Erfolg empfiehlt es sich, die Lektionen wie folgt zu organisieren: In den ersten drei Wochen dreimal jede Woche, dann zwei Wochen lang zweimal jede Woche und daran anschliessend jede Woche eine Lektion.
3.1.8 Unterschiede zu anderen Methoden
Die F.M. Alexander-Technik ist keine passive Behandlungsmethode. Vielmehr vermitteln uns die Lehrpersonen der F.M. Alexander-Technik ein Instrument, mit dessen Hilfe uneffiziente Denk-, Verhaltens- und Bewegungsmuster erkannt und verändert werden können.
3.1.9 F.M. Alexander-Technik und ärztliche Behandlung
Die Alexander-Technik ist eine Methode zur Veränderung von Bewegungs- und Verhaltensmustern und setzt dazu bei den entsprechenden mentalen Prozessen an. Der Schüler lernt einen wohlkoordinierten Umgang mit sich selbst, wodurch Verspannungen und Schmerzen, soweit sie durch schlechten Gebrauch entstanden sind, erfahrungsgemäss nachlassen oder verschwinden. Die Wirkung der Alexander- Technik hat auch eine indirekte Komponente: Es werden Prinzipien erlernt (Innehalten und Anweisungen), die auch für den Umgang mit psychischen Mustern wichtig sind. Zugleich werden Aufmerksamkeit, Selbstwahrnehmung und Körpersensibilität geschult, sowie die Eigenaktivität und Übernahme von Verantwortung gesteigert.

Wissenschaftler haben zu den physiologischen Grundlagen und Auswirkungen der Alexander- Technik geforscht. Unter anderem wurde festgestellt, daß sie dazu beiträgt, den Blutdruck zu normalisieren, mit Streß besser umzugehen, die Atmung zu erleichtern, den Muskeltonus und die Statur in Balance zu bringen und Bewegungen ökonomischer zu gestalten (Stevens 1994).

Gezielt eingesetzt werden kann die Alexander-Technik bei Störungen, die in den Bereich der Orthopädie fallen, wenn diese Störungen (wie Rücken-, Schulter- und Nackenbeschwerden, Tennisellenbögen oder Mausarm) durch Bewegungsmuster verursacht werden, die der Physiologie des Körpers entgegenstehen. Wird z.B. für einen bestimmten Bewegungsablauf zu viel Kraft aufgewendet, äußert sich das, wenn dieses Muster über Jahre hinweg beibehalten wird, häufig in Gelenk- und Spannungsschmerzen.

Chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates, insbesondere Gelenkerkrankungen, führen bei einigen Krankheitsbildern langfristig zu irreversiblen anatomischen Strukturveränderungen, die dann wieder zu Fehlstellungen und Fehlhaltungen führen.

Schmerzbedingt entwickeln viele Menschen Schonhaltungen aus Angst, durch falsche Bewegungen den bestehenden Schaden zu vergrössern. Mit Hilfe der Alexander-Technik können schädigende Schonhaltungen erkannt und ein optimaler Umgang mit dem Körper im Rahmen der Grunderkrankung erarbeitet werden.

Dies gilt sowohl für Zustände nach Unfällen, die mit knöchernen oder muskulären Verletzungen einhergegangen sind als auch für eine angeborene Verkrümmung der Wirbelsäule oder Hüftgelenksfehlbildungen. Auch hier sind häufig neben den rein krankheitsbedingten Veränderungen sekundäre Fehlhaltungen zu beobachten.

Bei vielen von Patienten benannten Symptomen wie Rückenbeschwerden und Kopfschmerzen finden sich häufig keine organischen Ursachen. Dies wird von der Medizin als "funktionelle Störungen" beschrieben. Das Synonym "psychovegetative Erkrankung" deutet an, dass die Psyche als auslösendes Moment gesehen wird. Bei diesen Erkrankungen bietet sich die Alexander-Technik als Unterstützung der medizinischen Behandlung an, da die Veränderung der körperlichen Bewegungsmuster und der Wahrnehmungsgewohnheiten auf das psychische Befinden positive Auswirkung hat.

Ein weiterer Anwendungsbereich der Alexander-Technik sind psychosomatische Erkrankungen, die mit Körperbildstörungen einhergehen, wie Magersucht, Bulimie, chronisches Übergewicht, Neurodermitis oder Colitis. Hier kann die Alexander- Technik zu einem verbesserten Körperbild hinführen.

Sowohl beim gesunden als auch beim körperlich oder seelisch erkrankten Menschen führt die Alexander-Technik auf lange Sicht zu einer Verbesserung des Gesamtzustandes und kann daher sowohl prophylaktisch wie begleitend und ergänzend zu medizinischer Behandlung eingesetzt werden.
3.1.10 F.M. Alexander - die Person hinter der Technik
Frederick Matthias Alexander (geboren 1869 in Tasmanien, gestorben 1955 in London) gilt als Pionier auf dem Gebiet der Methoden, die den Menschen als psychophysische Einheit erfassen. Er begann eine erfolgreiche Karriere als Schauspieler und Rezitator, sah sich jedoch zunehmend mit Heiserkeit bis zu völligem Stimmversagen konfrontiert. Er suchte Rat bei verschiedenen Ärzten und Stimmbildern, doch der Erfolg blieb aus. Diese existenzielle Herausforderung liess ihn zum Forscher werden. Aufgrund genauer Beobachtungen und Experimenten an sich selbst fand er heraus, mit welchem Verhalten er die immer wiederkehrende Heiserkeit verursachte. In der Folge entwickelte F.M. Alexander auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage eine Methode, mit der er sich selbst und später vielen anderen Menschen helfen konnte. Zu seinen Schülern gehörten Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Medizin, Kunst, Philosophie und Pädagogik und Politik. Alexanders Prinzipien haben bis heute ihre Gültigkeit; seine Methode wurde durch Erkenntnisse der neueren Forschung in der Neurophysiologie, Anatomie und Medizin bestätigt.